Getönte vs. ungetönte Sonnencreme: Welche ist die richtige Wahl bei Pigmentflecken oder Melasma?

22. April 2026 durch
Getönte vs. ungetönte Sonnencreme: Welche ist die richtige Wahl bei Pigmentflecken oder Melasma?
LASART S.R.L.

Beim Sonnenschutz scheint der Unterschied zwischen getönter und ungetönter Sonnencreme fast rein kosmetischer Natur: etwas mehr Deckkraft, eine gleichmäßigere Bräune. Tatsächlich ist die Unterscheidung aber pharmakologisch relevant, insbesondere bei postinflammatorischer Hyperpigmentierung  oder Melasma.

Eine getönte Sonnencreme ist nicht einfach nur eine Sonnencreme mit zusätzlichen Pigmenten. Sie enthält Eisenoxide, die hochenergetisches sichtbares Licht blockieren – einen Bereich des Sonnenspektrums, den herkömmliche UV-Filter nicht abdecken. Und sichtbares Licht ist, wie wir sehen werden, ein aktiver Auslöser der Melaninbildung.


Worin besteht der tatsächliche Unterschied zwischen getönter und ungetönter Sonnencreme?

Herkömmliche Sonnenschutzmittel, ob getönt oder nicht, blockieren ultraviolette Strahlung: UVB (280–315 nm) und UVA (315–400 nm). Mineralische Filter wie Titandioxid und Zinkoxid wirken hauptsächlich in diesem Bereich. Der Schutz vor sichtbarer Strahlung (400–700 nm) ist minimal oder nicht vorhanden, unabhängig vom angegebenen Lichtschutzfaktor (LSF).

Hier kommt die getönte Formel ins Spiel. Eisenoxide, von Natur aus deckende anorganische Pigmente, absorbieren und reflektieren Licht im sichtbaren Bereich. Sie dienen nicht nur dazu, Unreinheiten abzudecken, sondern erfüllen auch eine spezifische photoprotektive Funktion, die ein ungetönter Sonnenschutz nicht bieten kann.

Elektromagnetisches Spektrum mit UVA I- und HEV-Sichtlichtzonen und Sonnenschutzmitteln

Das praktische Ergebnis: Zwei Produkte mit dem gleichen Lichtschutzfaktor (LSF) können ein sehr unterschiedliches Schutzprofil aufweisen, wenn eines Eisenoxide enthält und das andere nicht.


Warum sichtbares Licht PIH und Melasma verschlimmert

Bis vor wenigen Jahren galt sichtbares Licht als im Wesentlichen unschädlich für die Haut. Studien der letzten zehn Jahre haben diese Ansicht jedoch verändert, insbesondere im Hinblick auf den hochenergetischen Teil des sichtbaren Spektrums: blauviolettes Licht zwischen 400 und 450 nm, auch bekannt als HEV (hochenergetisches sichtbares Licht).

HEV-Licht dringt in die oberflächliche Dermis ein und stimuliert die Melaninproduktion über Mechanismen, die sich von UV-Licht unterscheiden. Es aktiviert insbesondere den OPSIN3-Rezeptor in Melanozyten und erzeugt oxidativen Stress durch die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies (ROS). Bei Personen, deren Melanozyten bereits durch Entzündungen, Laserbehandlungen oder genetische Veranlagung sensibilisiert sind, kann dieser Reiz selbst ohne direkte Sonneneinstrahlung zu einer Reaktivierung der Hyperpigmentierung führen.

Eine Studie von Mahmoud et al. (2010) zeigte, dass bei Hauttyp IV–VI bereits sichtbares Licht ohne UV-Anteil ausreicht, um eine persistierende Hyperpigmentierung hervorzurufen. Nachfolgende Untersuchungen der Arbeitsgruppe um Castanedo-Cazares und Kohli bestätigten, dass Formulierungen mit Eisenoxiden das Wiederauftreten von Melasma im Vergleich zu pigmentfreien Sonnenschutzmitteln signifikant reduzieren, selbst bei gleichem UV-Schutzfaktor.

Dies ist besonders relevant für diejenigen, die Sonnenschutzmittel in Innenräumen oder in Umgebungen mit starker künstlicher Beleuchtung verwenden: Digitale Bildschirme, LED-Leuchten und Bürobeleuchtung emittieren Licht im HEV-Bereich, und ohne Eisenoxide ist dieser Schutz nicht gegeben.


Eisenoxide: der Filter, der vor sichtbarem Licht schützt

Gli Eisenoxide kommen in der Natur in drei Hauptformen vor, die den Farben Rot, Gelb und Schwarz entsprechen. In Kosmetikprodukten werden sie kombiniert, um den gewünschten Farbton zu erzielen und gleichzeitig den gesamten Bereich des hochenergetischen sichtbaren Lichts (400–700 nm) abzudecken.

Ihr Wirkmechanismus ist physikalisch: Sie absorbieren und reflektieren Licht, ohne mit biologischem Gewebe zu interagieren. Sie sind chemisch stabil, auch von empfindlicher Haut gut verträglich und nicht komedogen. Sie dringen nicht in die Hornschicht ein und verursachen keine Sensibilisierung.

Aus klinischer Sicht ist die Konzentration der Eisenoxide in der Formel entscheidend. Ein Produkt mit lediglich aus ästhetischen Gründen hinzugefügten Pigmentspuren bietet nicht denselben Schutz wie eine Formel mit Eisenoxiden in einer photoprotektiven Konzentration. Diese Information ist auf dem Etikett schwer zu erkennen, unterscheidet aber professionelle von rein kosmetischen Formeln.


DHHB (Uvinul A Plus): der UVA-I-Schutz, der das Bild abrundet

Selbst im ultravioletten Bereich gibt es empfindliche Bereiche, die von Mineralfiltern allein nicht optimal abgedeckt werden. UVA wird in zwei Unterbereiche unterteilt: UVA2 (315–340 nm) und UVA-I (340–400 nm). Mineralfilter wie Titandioxid und Zinkoxid sind zwar wirksam gegen UVA-II und UVB, ihre Schutzwirkung nimmt jedoch im UVA-I-Bereich, dem langwelligsten und tiefsten eindringenden, zunehmend ab.

UVA-I-Strahlung dringt bis in die tiefe Dermis vor, trägt zur Photooxidation von bereits vorhandenem Melanin bei und regt die Neubildung von Pigmenten über oxidative Prozesse an. Sie ist hauptsächlich für die sogenannte sofortige, anhaltende Bräune verantwortlich, aber auch für die Destabilisierung bestehender Pigmentflecken, wodurch es schwierig wird, die mit Depigmentierungsprodukten erzielten Ergebnisse aufrechtzuerhalten.

Il DHHB (Uvinul A Plus) ist ein lipophiler organischer Filter mit einem Absorptionsmaximum im UVA-I-Bereich (355–380 nm). Seine Molekularstruktur verleiht ihm eine hohe Photostabilität: Im Gegensatz zu einigen UV-Filtern der vorherigen Generation zersetzt er sich auch bei längerer Exposition nicht und bildet keine reaktiven Nebenprodukte. Diese Eigenschaft macht ihn besonders geeignet für Formulierungen zur täglichen Anwendung, bei denen Langzeitstabilität für einen zuverlässigen Schutz unerlässlich ist.

In den Melicor Sonnenschutzmitteln mit Lichtschutzfaktor 50 und LSF 30, wird DHHB mit mineralischen Filtern kombiniert, um eine gezielte Abdeckung des UVA-I-Bereichs zu gewährleisten und so einen kontinuierlichen Spektrumschutz zu schaffen: UVB, UVA2 und UVA-I. In getönten Varianten erweitern Eisenoxide diesen Schutz zusätzlich bis hin zum sichtbaren Licht (HEV).

Das Ergebnis ist eine Formel, die nicht nur Erytheme verhindern soll, sondern auch die Hauptmechanismen unterbricht, die die Melanogenese über das gesamte relevante Sonnenspektrum anregen.


Welchen Lichtschutzfaktor sollte man je nach Hauttyp und Hautzustand wählen?

Die Wahl zwischen getönter und ungetönter Sonnencreme ist nie nur eine Frage des Aussehens. Sie hängt von Ihrem Hauttyp, Ihrem aktuellen Hautzustand und dem jeweiligen Anwendungskontext ab.

Hauttypen I–II ohne aktive Hyperpigmentierung: Ein Standard-UV-Schutz reicht aus, um Rötungen und Lichtalterung vorzubeugen. Eine ungetönte Sonnencreme mit DHHB deckt UVA-I ab und bietet umfassenden Breitbandschutz. Die getönte Variante ist weiterhin eine gute Wahl, wenn Sie einen gleichmäßigen Effekt bevorzugen, aber aus klinischer Sicht nicht unbedingt notwendig.

Hauttypen III–IV mit PIH oder Melasma. Hier spielt sichtbares Licht eine aktive Rolle bei der Verschlimmerung der Symptome. Getönte Sonnencreme mit Eisenoxiden wird für den täglichen Schutz dringend empfohlen, auch ohne direkte Sonneneinstrahlung. Die Kombination aus DHHB, Eisenoxiden und mineralischen Filtern gewährleistet einen umfassenden Schutz vor UVB-, UVA2-, UVA-I- und sichtbarem Licht (HEV). Um Ihren individuellen Fall besser zu verstehen, lesen Sie bitte den Leitfaden zum Unterschied zwischen PIH und Melasma .

Hauttypen V–VI oder Haut mit persistierender Melasma: Schutz vor sichtbarem Licht ist genauso wichtig wie UV-Schutz. Eine getönte Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor (LSF) ist die erste Wahl. In diesen Fällen ist auch die Wahl des Depigmentierungsprodukts wichtig: Ein Produkt wie Lumicor, basierend auf Tranexamsäure und Cetyltranexamatmesylat, wirkt der Melaninbildung von innen entgegen, während der LSF sie von außen hemmt.

Nach Laserbehandlungen oder anderen Eingriffen. Nach fraktionierter Ablationstherapie befindet sich die Haut in einem Zustand aktiver Entzündung, und die Melanozyten reagieren besonders stark (siehe weitere Informationen zur Vorbeugung von Hyperpigmentierung nach CO₂-Laserbehandlung). Unmittelbar nach Wiederherstellung der Hautbarriere und vor direkter Sonneneinstrahlung sollte eine getönte Sonnencreme mit Eisenoxiden aufgetragen werden. Die Verwendung von Sonnenschutz ist ein wesentlicher Bestandteil des Protokolls zur Vorbeugung von entzündlicher Hyperpigmentierung nach Laserbehandlungen.


Morgenroutine gegen Hautunreinheiten mit aufhellender Behandlung und getöntem Sonnenschutz

So integrierst du getönte Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor in deine Anti-Pickel-Routine

Sonnenschutzmittel, ob getönt oder nicht, ist der letzte Schritt Ihrer Morgenroutine und wird nach Feuchtigkeitscreme und aufhellenden Behandlungen aufgetragen. Einige praktische Tipps:

Dosierung. Um den auf dem Etikett angegebenen Lichtschutzfaktor (LSF) zu erreichen, tragen Sie etwa 2 mg pro cm² Hautoberfläche auf. Dies entspricht in der Praxis etwa einem halben Teelöffel für ein Erwachsenengesicht. Eine geringere Menge reduziert die Wirksamkeit proportional.

Erneutes Auftragen. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist ein erneutes Auftragen alle zwei Stunden erforderlich, unabhängig von der Formel. In Innenräumen genügt das Auftragen morgens, sofern Sie nicht schwitzen oder Ihr Gesicht waschen.

Kombination mit Depigmentierungsprodukten. Lumicor sollte abends oder morgens als vorletzter Schritt vor dem Sonnenschutz aufgetragen werden. Die Kombination aus Depigmentierungsbehandlung und Breitbandschutz ist wirksamer als die jeweilige Einzelanwendung.

Farbauswahl. Die getönten Varianten von Melicor sind in Farbtönen erhältlich, die für helle bis mittlere Hauttöne geeignet sind. Sollte die Deckkraft für Ihren Hauttyp nicht ausreichen, können Sie die getönte Variante mit der ungetönten Variante in einer doppelten Schicht kombinieren und so den UVA-I-Schutz des in beiden Produkten enthaltenen DHHB nutzen.

Für den täglichen Schutz empfindlicher oder nach kosmetischen Eingriffen gereizter Haut bietet die Melicor-Linie Folgendes:

Um Ihnen die Auswahl des richtigen mineralischen Sonnenschutzmittels zu erleichtern, konsultieren Sie auch den Leitfaden zu Lichtschutzfaktor und Melasma.


Häufig gestellte Fragen


BIBLIOGRAPHISCHE ANGABEN

  1. Mahmoud BH, Ruvolo E, Hexsel CL, et al. Impact of long-wavelength UVA and visible light on melanocompetent skin. Journal of Investigative Dermatology. 2010;130(8):2092-2097.
  2. Castanedo-Cazares JP, Hernandez-Blanco D, Carlos-Ortega B, Fuentes-Ahumada C, Torres-Alvarez B. Near-visible light and UV photoprotection in the treatment of melasma: a double-blind randomized trial. Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine. 2014;30(1):35-42.
  3. Kohli I, Shafi R, Isedeh P, et al. The impact of iron oxides in zinc oxide-based sunscreens on UV-induced skin damage. Journal of the American Academy of Dermatology. 2018;78(4):706-712.
  4. Passeron T, Picardo M. Melasma, a photoageing disorder. Pigment Cell & Melanoma Research. 2018;31(4):461-465.
  5. Grether-Beck S, Marini A, Jaenicke T, Krutmann J. Photoprotection of human skin beyond ultraviolet radiation. Photodermatology, Photoimmunology & Photomedicine. 2014;30(2-3):167–174.
  6. Bernerd F, Passeron T, Castiel I, Marionnet C. The detrimental effects of ultraviolet, visible and infrared radiation on the skin and the protective effects of photoprotection. Antioxidants (Basel). 2022;11(8):1663.
  7. SCCS (Scientific Committee on Consumer Safety). Opinion on Diethylhexyl Butamido Triazone (DHHB). European Commission. 2021. SCCS/1624/21.

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